Soul-Detox – die Menschen verstehen und abprallen lassen

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Es ist ganz interessant. Man wächst in einer Welt auf, in der man sich zurechtfinden soll. Deine Mitmenschen helfen dir dabei… oder sie führen dich im ungünstigeren Fall in die Irre. Sie lassen dich glauben, du müsstest Dinge tun, die du nicht tun willst, du müsstest gefallen und nach ihrer Anerkennung streben. Und manchmal hilft dabei nur eins: diese Menschen loszulassen. Und zwar aus voller Überzeugung.

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Mit ein bisschen Glück erklären dir deine Eltern, wie man sich anzieht, wäscht und ernährt. Sie unterstützen dich beim Fahrrad- oder Autofahrenlernen. Sie helfen dir vielleicht am Anfang deines Studiums oder deiner Ausbildung bei der Miete und kümmern sich darum, dass du irgendwann ein selbstständiges Leben führen kannst. Mit ein bisschen mehr Glück hast du auch noch Lehrer oder Lehrerinnen und Trainer oder Trainerinnen oder irgendwelche anderen Mentoren, die sich deiner annehmen, dich bestärken, aufbauen und glücklich machen. Mit ein bisschen weniger Glück, umgibst du dich in deiner Kindheit und Jugend (teils mit Absicht und aus skurrilen Motiven (dazugehörenwollen zum Beispiel)) mit Pappnasen, die dich verunsichern, dir nicht gut tun. Kinder

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können so grausam sein.
Das hat etwas mit der Psyche des Menschen zu tun und damit, auszuprobieren und herauszufinden, wer man ist und wo man steht. Im Großen und Ganzen ist das der Grund dafür, dass Kinder hauen und beißen (um zu testen, ab wann es jemandem wehtut), andere Kinder ausschließen (um mal der Überlegenere zu sein) und andere Kinder mobben (um das Gefühl von Einfluss auf das Wohlbefinden anderer zu haben). Tatsächlich sind sich Kinder dessen meist nicht bewusst. Sie reflektieren nicht, warum sie gemein sind. Sie probieren einfach aus. Sie überlegen nicht, welche Tragweite ihre Grausamkeit hat. Sie denken nur an sich und ihre Position in unserer Gesellschaft. Und noch nicht einmal dessen sind sie sich bewusst.

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Kinderpsychologie

Eine kurze Episode…

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Als ich in der Grundschule war, habe ich mich im Spannungsfeld zweier sehr unterschiedlicher sozialer Gruppen befunden. Auf der einen Seite war da meine Familie, die mich bedingungslos liebte und mich das jeden Tag hat spüren lassen. Sie haben mir alles ermöglicht und mich dabei auf so wunderbare weise in meinem Sein bestätigt, dass ich mit mir selbst klar kam und dabei dennoch keine Bodenhaftung verlieren konnte. Auf der anderen Seite war ich nunmal Grundschülerin. Das bedeutete, dass ich mich jeden Tag mit ein paarundzwanzig anderen Kindern meines Alters umgeben musste. Und das war nicht immer so schön. Denn durch eine interessante Konstellation zwischen mir und zwei meiner Mitschülerinnen wurde ich quasi zum Opfer auserkoren und durfte mir zwei Jahre lang die harte Schule des Lebens geben. Es hatte eine erstaunliche

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Systematik, von der ich selbst als Erwachsene noch beeindruckt bin. In regelmäßigen Abständen positionierten sich die (von den zwei Anführerinnen angestachelten) Mädchen meiner Klasse im Halbkreis um mich herum und meldeten mir schonungslos zurück, was ich falsch machte (‚Freundschaft heißt nicht nur nett sein‘ – überraschend tiefgängig/ ‚Es reicht nicht, wenn du uns von deinem Mamorkuchen abgibst‘ – überzeugend reflektiert). Und das gipfelte darin, dass ich am 9. Dezember des Jahres 1998 einen selbstgebastelten Adventskalender erhielt, in dem ich Türchen für Türchen nachlesen durfte, wie ich mich und mein Verhalten optimieren könnte (aufmerksam. Und zeitintensiv in der Herstellung!). Nach der Schule versteckte ich den Kalender hinter meiner Kommode, wo er blieb, bis meine Mutter ihn fand.

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Gutfuehlen

Warum ich das erzähle…

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Ich habe meinen Eltern nichts von den Grausamkeiten meiner Mitschülerinnen erzählt. Ich wollte nicht, dass sie wissen, dass ich unbeliebt bin. Dass ihre Tochter nicht dazugehört. Stattdessen war ich zuhause zickig und herrisch. Meine Mutter hat mir mal erzählt, dass es für sie nahe lag, dass ich mich manchmal mit meinen Mitschülerinnen stritt, wenn ich doch auch zu Hause so auftrat. Als meine Mutter den Adventskalender fand, war ihr plötzlich klar, wie die Lage wirklich aussah. Ihre Sicht auf die Dinge veränderte sich. Sie verstand. Bis dahin erlebte sie mich als kleine Bestie. Die ich nur war, weil ich eben zu Hause auch einmal dominant sein wollte. Meinen Willen durchsetzen wollte. Weil ich zu Hause das sein wollte, was in der Schule die Mädchen waren, die meine Seele so im Griff hatten. Ich habe daraus in den darauffolgenden Jahren

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Konsequenzen für mich gezogen. Ich habe entschieden, dass ich nicht mehr allen gefallen möchte. Ich habe entschieden, denen, die von mir verlangen zu gefallen, aus dem Weg zu gehen. Ich habe erkannt, dass die Menschen, mit denen man ein wertschätzendes Verhältnis aufbaut, ausreichen müssen. Und das tun sie! Denn sie geben mir das, was ich brauche, um positiv und motiviert zu sein. Um meine Sorgen und Träume zu kommunizieren und weiter zu entwickeln. Um Rückschläge zu verarbeiten und Erfolge zu feiern. Mit ihnen. Nicht über sie. Ich sorge mich nicht mehr darum, ob ich Menschen gefalle oder nicht. Denn das Leben ist zu kurz, um sich runterziehen zu lassen. Ich habe keine Zeit, mich mit Menschen auseinander zu setzen, die mich davon abhalten, mich so gut zu fühlen wie ich nur kann.

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Gutfuehlen1

Denn…

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Auch Erwachsene machen das. Das ist dir sicherlich schon aufgefallen. Ich bin erst kürzlich auf einen erwachsenen Menschen in meinem Umfeld getroffen, von dem ich jetzt schon sagen kann, dass er mir nicht guttun wird. In einem Gespräch ließ er mich nicht ausreden, bauchpinselte sich selbst und nötigte mich dazu, ihm wertungsfrei die potenzielle Gegenseite zu seinen Gedanken aufzuzeigen. Am nächsten Tag erfuhr ich, dass er sich abfällig über mich geäußert hatte, unser Gespräch für müßig befand, da ich mich innerhalb des Gespräches als selbstverliebt und unfehlbar gezeigt hätte. Ich bin der festen Überzeugung, nichts falschgemacht zu haben. Ich habe einen oder zwei Tage überlegt, was ich damit anfangen soll und habe dann zurück auf meine Kindheit geblickt. Ich habe mir überlegt: Ich war damals in meinem familiären Umfeld scheußlich, weil ich in der Schule scheußlich behandelt worden bin. Das

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geht den meisten Menschen so. Sie sind scheußlich, weil sie irgendwo diese Scheußlichkeit an sich selbst erfahren haben. Und weil ich weiß wie sich das anfühlt, habe ich entschieden, dass dieser Mensch mir leid tut. Nicht etwa Leid zufügt. Ich habe nach reiflicher Überlegung entschieden, die Scheußlichkeit seines Verhaltens an mir abprallen zu lassen (ich habe erfahren, dass sich sein Verhalten nicht auf meine Person beschränkt, also scheint es ein größeres Problem zusein). Denn ich bin nicht von seinen Worten abhängig. Seine üble Nachrede werde ich durch mein Sein ausgleichen. Wer ihm Glauben schenkt, trifft diese Entscheidung und hat sich damit gegen mich entschieden. Das ist okay, denn ich umgebe mich mit genug Menschen, die sich für mich entschieden haben. Und genauso habe ich eine Entscheidung getroffen: von Menschen, die mir nicht gut tun, halte ich mich fern.

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Die Photos in diesem Beitrag entstanden auf einer Reise durch Oregon im Herbst 2013 am Crater Lake und am Upper Klamath Lake.

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  1. says

    Ein sehr schöner und sehr wahrer Beitrag!
    Ich bin sehr froh, dass du so denkst & zu so einer tollen Person geworden bist (bzw warst du das ja sicherlich schon immer – also sagen wir lieber, dass du der Scheußlichkeit keinen Nährboden mehr gibst!).
    Ich sollte mir daran ein Beispiel nehmen und darauf achten, mir viele Dinge nicht mehr so zu Herzen zu nehmen!

    • Lina says

      Liebe Liv,

      vielen Dank für deinen lieben Kommentar! Ich freue mich sehr über die positive Resonanz und das sollte uns alle eigentlich nur darin bestätigen, dass weiterhin durchzuziehen! :)

      Ganz liebe Grüße nach Leibzsch :*

  2. says

    Du hast so Recht, mit dem, was du schreibst! Leider ist die Umsetzung nicht immer leicht, selbst, wenn man das in der Theorie genauso verstanden hat, wie du hier schreibst…
    Liebe Grüße, Becky

    • Lina says

      Liebe Becky,

      die Erfahrung habe ich auch schon gemacht. Wobei es dann meist doch besser wird, wenn man sich losgesagt hat! <3

      Liebste Grüße,
      Lina

  3. says

    Liebe Lina,
    ich ziehe meinen Hut vor so viel Ehrlichkeit und Mut, sich auf dem eigenen Blog so persönlich zu zeigen! Und ich finde es ganz, ganz toll!
    Du kannst sehr stolz auf dich sein, diesen Weg für dich gewählt zu haben und heute in einer Art auf dich achten zu können, die korrekt und fair ist, dich aber gleichzeitig vor weiteren Verletzungen schützt!
    Und auf noch etwas kannst du so, so stolz sein: Ich gratuliere dir ganz herzlich zu deinem Award Gewinn!! Ich kannte deinen Blog bisher nicht und freue mich, dass sich das nun ändert!
    Alles Liebe
    Veronika

    • Lina says

      Liebe Veronika,

      vielen vielen Dank für diese lieben Worte. Ich fühle mich fast in bisschen geehrt, dass sie von dir kommen, lese ich deinen Blog doch seit ein paar Wochen (dank der Empfehlung einer Freundin) ebenfalls so gerne! Danke auch für deine Glückwünsche! Es hat mich so gefreut, den Award zu gewinnen, tatsächlich aber noch mehr die bestätigende Resonanz im Nachklang :)

      Allerliebste Grüße (und Rückglückwünsche zum Foodblogawardgewinn und der tollen Reise!)
      Lina

  4. says

    Liebe Lina
    Tolle Gedanken! Man macht sich mit solchen Menschen nur selbst das Leben schwer. Manchmal muss man einfach auch mal an sich denken. Das Leben ist viel zu kostbar, um sich es ständig vermiesen zu lassen.
    Die Alltagsumsetzung ist zwar nicht immer leicht, aber man ist ja lernfähig.. Und wie du auch schreibst, man hat ja noch genug liebe Menschen um sich herum.
    Schön hast du diesen Blogbeitrag geschrieben. Das braucht Ehrlichkeit und Mut!
    Alles Liebe
    Regina

    • Lina says

      Ach Regina, ich freue mich über jeden Kommentar, der sich so schmeichelnd liest wie deiner. Und natürlich gebe ich dir vollkommen recht: Die Alltagsumsetzung ist immer der schwerste. aber deshalb ja auch jeden Tag nur eine kleine Entscheidung!

      Liebste Grüße,
      Lina <3