Soul

Unsere Seele. Was für ein abstraktes Ding. Wir alle haben sie, wir merken, wenn es ihr nicht gut geht, und doch ist sie kein Organ, das wir tasten können, oder dem wir mit Medikamenten auf die Sprünge helfen können, wenn wir einmal durchhängen. Die Seele bestimmt, wer du bist. Sie bestimmt, wie du handelst. Wie du fühlst. Wie du mit Belastungen umgehst und wie du deine Umwelt wahrnimmst. Sie zu pflegen ist nicht ganz einfach, aber zum Klarkommen unerlässlich.

Es mag reichlich spirituell, vielleicht sogar esoterisch wirken, wenn du hier von der Seele und ihrer Pflege liest. Doch eigentlich ist sie ganz weltlich und greifbar. Ob du an Hormone glaubst oder an Energien ist eigentlich egal. Wenn eins davon in eine Dysbalance gerät, zeigt sich das wahrscheinlich darin, dass du übermäßig emotional wirst, vielleicht, so wie ich, reizbar und herrisch. Unsicherheit führt oft zu Gehässigkeit (auch das kenne ich von mir). Stress macht uns angreifbar. Wir brechen zusammen. Auf unseren Schultern sitzt ein riesiger Berg aus Erwartungen, Hoffnungen und Zielen.

Gerät unser Inneres, unsere Seele, ins Chaos, können wir diesem Berg nicht mehr standhalten. Wir winden uns (wütend, reizbar, herrisch, traurig, gehässig, launisch) und hoffen, dass wir den Berg so wenigstens zur Seite schieben können. Ein kleines bisschen. Nur für den Moment. Dabei können wir uns selbst helfen. Vorsorgend und akut. Vorsorge können wir treffen, indem wir immer mal wieder uns selbst anschauen. Uns fragen: 'Was finde ich gut an mir?' 'Wie mache ich das Leben anderer schöner, ohne mich selbst aufzugeben?' 'Wie behandele ich mein Umfeld, sodass ich noch lange und zufrieden darin leben kann?'. Und diese Fragen wollen nicht wissen, was du NICHT kannst. Sie interessieren sich nicht dafür, wem du NICHT geholfen hast und was du NICHT gewusst hast.

Sie suchen nach dem, was da ist. Und wenn du selbst merkst, dass das gut ist, dass da überhaupt etwas ist, das man gut finden kann, dann ist das schon der erste Schritt in Richtung Ordnung. Innere Ordnung.
Mit sich selbst im Reinen sein. Auch das ist ein Weg. Kein Zustand. Wer glaubt, an einem Punkt zu sein, an dem er nichts mehr falsch macht, der irrt. Wie laufen durch unser Leben, auf unserer Erde und hinterlassen Spuren. Ob wir wollen oder nicht. Welche Form diese Spuren haben können, das hängt ganz von dir ab. Du wirst immer wieder über Stolpersteine stolpern, die dich vielleicht für einen kurzen Moment aus dem Gleichgewicht bringen. Deine innere Ordnung bestimmt, wie du damit umgehst. Oft hat man dir gesagt "Hinfallen ist kein Problem. Man muss nur wieder aufstehen können." Ein kluger Satz. Wenn da nicht die Sache mit dem Aufstehen wäre. Denn, wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, du und ich, dann fühlt es sich manchmal besser an, einfach liegen zu bleiben. Flach und still. Für den Moment. Denn spätestens, wenn du die Schritte der Nachkommenden spürst, die einfach über dein auf dem Boden liegendes Selbst hinweglaufen, dann merkst du, dass liegenbleiben keine Alternative ist. Du brauchst etwas akutes. Ein Pause. Nachdenken, klarkommen, weitermachen. Und du wirst dir bewusst, dass die Welt, die du dir da oben geschaffen hast eine Aufgabe für dich hat. Du sein. Und zwar sofort. Und dabei hilft dir deine innere Stärke – deine gepflegte Seele.