Body

In ihrem Lied 'Folding Chair' singt Regina Spector unter anderem auch von ihrem perfekten Körper. Dass sie sich dabei weder auf ihren Tallienumfang noch auf ihre Brüste bezieht, mag den einen oder anderen überraschen. 'I've got a perfect body, but sometimes I forget. I've got a perfect body 'cause my eyelashes catch my sweat. Yes, they do. They do. [Ich habe einen perfekten Körper, aber manchmal vergesse ich das. Ich habe einen perfekten Körper, denn meine Wimpern fangen meine Schweißtropfen auf. Oh ja, das tun sie.]

So banal dieser Gedanke auch ist. Aber hast du, wenn du baucheinziehend vorm Spiegel stehst und erschrocken die Cellulite an deinen Oberschenkeln betrachtest, mal darüber nachgedacht, was dein Körper alles kann? Du kann mit wenigen Schritten viele Meter zurücklegen. Wenn du fällst schwingt er automatisch die Arme nach vorn um die abzufangen. Er sagt dir, dass du essen sollst, dass du schlafen sollst, dass du dich kratzen sollst. Dein Körper sagt dir, was er braucht. Du musst auf ihn hören.
Ich habe mit dem Laufen angefangen, weil ich in der Lage sein wollte, eine halbe Stunde am Stück laufen zu können. Ich habe mir einen Laufplan rausgesucht und mich eisern daran gehalten. Heute kann ich auch nach monatelangen Pausen meine Laufschuhe schnüren und mindestens eine halbe Stunde lang gutgelaunt durch die Gegend rennen. Ich bin nicht schnell. Aber das ist okay. Denn mein Körper funktioniert. Er kann laufen. Meine Muskeln, meine Lunge, mein Gehirn. Alles ist koordiniert, um mich von A nach B zu tragen. Und danach? Regeneriert sich alles von selbst. Ist das nicht unglaublich?
Ich habe angefangen Yoga zu machen, weil ich einen Ausgleich zu meinem anstrengenden Beruf gesucht habe. Ich wollte etwas finden, das mir erlaubt mit einer inneren und äußeren Stärke durch das Leben zu gehen. Hohe Erwartungen. Klar. Aber sie wurden erfüllt. Nachdem ich mich anfangs durch die vielen herabschauenden Hunde gequält habe und mir nicht die Blöße geben wollte, auch mal einen Flow in der Position des Kindes zu verbringen, habe ich verstanden, dass es nicht darum geht 'gut' zu sein. Es geht darum, sich gut zu fühlen. Ich gehe soweit ich kann. Will mein Körper, dass ich pausiere: pausiere ich. Denn manchmal reicht es schon, auf sich selbst zu hören und daraufhin die richtige Entscheidung zu treffen. Aufhören. Klarkommen. Weitermachen. 'Yoga ist ein Prozess.' sagt meine Yoga-Lehrerin. 'Du kommst nicht her, um es schon zu können.' Denn warum sollte ich dann noch kommen?

Ich möchte das Missverständnis ausräumen, dass du durch Sport einen perfekten Körper erhältst. Aber du kannst deinem schon perfekten Körper so beibringen, wie er dir jeden Tag gibt, was du von ihm willst: Dass er dich die 50 Meter zur Bushaltestelle rennen lässt, damit du den Bus noch bekommst. Dass er dich mit einem starken Rücken stützt, wenn du stundenlang am Schreibtisch sitzen musst. Dass er dich tief ein- und ausatmen lässt, wenn alles was dir bleibt ist, tief durchzuatmen. Dein Körper ist schon längst perfekt. Belohne ihn dafür.